Die Kirche und das Geld - Fragen und Antworten
- Ist die Kirche in Deutschland reich?
- Woher bekommt die Kirche ihr Geld?
- Wofür gibt die Kirche Geld aus?
- Wer entscheidet über die Verwendung der Kirchensteuer?
- Seit wann gibt es die Kirchensteuer?
- Wieso gibt es überhaupt Kirchensteuern?
- Ist die Kirchensteuer gerecht?
- Gibt es Alternativen zur Kirchensteuer?
- Was sind die Vorteile der Kirchensteuer?
- Die Kirche tut immer so sozial, gibt sie nicht in Wirklichkeit für soziale Aufgaben kaum etwas aus?
- Warum lässt sich die Kirche ihre Sozialarbeit noch vom Staat bezahlen?
- Warum geht die Kirchensteuer nicht direkt an die Gemeinden?
- Die Kirche hat doch ein riesiges Vermögen, könnte sie nicht leicht auf die Kirchensteuer verzichten?
- Warum werden aus der Kirchensteuer eigentlich der Vatikan und der Papst finanziert?
- Warum verdient die Kirche auch an Arbeitslosen?
Ist die Kirche in Deutschland reich?
Die Kirche ist immer auch ein Spiegelbild der Gesellschaft . Deutschland gehört zu den wohlhabendsten Ländern der Erde. Entsprechend "reich" ist auch die Kirche.
Demgegenüber steht eine große Erwartungshaltung der Bevölkerung. An kirchliche Krankenhäuser, Altenheime, Kindergärten und Schulen werden besondere Erwartungen gerichtet.
Darüber hinaus hat die Kirche in einem Land mit langer christlicher Tradition auch die besondere Verpflichtung, historische Bauten zu erhalten. Das ist ebenfalls mit hohen Kosten verbunden.
In den letzten Jahren ging die Konjunktur in Deutschland zurück. In der Folge verringerte sich auch das Kirchensteueraufkommen, d.h. die Haupteinnahme der Kirche ging spürbar zurück.
Demgegenüber blieb die Höhe der Ausgaben gleich, da sie sich hauptsächlich aus Personalkosten und Unterhaltungskosten für Bauten zusammensetzt. (Die Zahlen für das Bistum Mainz finden Sie in den Haushalten des jeweiligen Jahres.)
Woher bekommt die Kirche ihr Geld?
Die Kirche hat mehrere Einnahmequellen:
- Spenden
- Gebühren für konkrete Leistungen (z. B. Kindertagesstätten)
- staatliche Zuschüsse
- Einkünfte aus Vermietungen und Verpachtungen
- Kirchensteuer
Die Kirchensteuer ist die wichtigste Einnahmequelle - sie deckt den weitaus größten Teil des Haushalts.
Natürlich hat die Kirche auch Rücklagen. So ist sie zum Beispiel verpflichtet, die Altersversorgung der Priester und anderer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu sichern.
Sie muss für den Unterhalt ihrer (z.T. denkmalgeschützten) Gebäude sorgen und auf Einnahmeausfälle vorbereitet sein.
Wofür gibt die Kirche Geld aus?
Die Diözesen haben verschiedene Aufgabenbereiche zu finanzieren. Der kostenintensivste ist wohl in allen Bistümern die Gemeindearbeit. Der zweite große Posten sind die sozialen Dienste und Kindergärten.
Weitere Bereiche sind: Schule, Bildung und Kultur, kategoriale Seelsorge (z.B. Krankenhaus- oder Altenheimseelsorge), Leitung und Verwaltung, überdiözesane Aufgaben (z.B. Mission, Entwicklungshilfe) und Gebühren an den Staat für den Einzug der Kirchensteuer.
Zu den einzelnen Posten im Haushalt des Bistum Mainz können Sie sich auf den Seiten des jeweiligen Haushaltsjahres informieren.
Wer entscheidet über die Verwendung der Kirchensteuer?
Verantwortlich für die Verwendung der Kirchensteuer sind die Diözesankirchensteuerräte . In diesen Gremien sind gewählte Mitglieder in der Mehrheit. Die Mitglieder sind meist Laien, die von den Kirchengemeinden in den Dekanaten gewählt werden. Viele von ihnen sind beruflich in Wirtschaft und Finanzwesen tätig.
Der Kirchensteuerrat verabschiedet den Haushaltsplan und die Jahresrechnung des Bistums und kontrolliert die Verwendung der Steuermittel.
Seit wann gibt es die Kirchensteuer?
Historisch gesehen geht die Erhebung von Kirchensteuern auf das Jahr 1803 zurück. Damals wurde der Kirche in Folge des Reichsdeputationshauptschluss weitgehend enteignet. Dadurch fielen sämtliche Einkünfte aus den Kirchengütern weg und die Finanzierung der Kirchen wurden von den jeweiligen deutschen Staaten übernommen.
Wieso gibt es überhaupt Kirchensteuern?
Nachdem die Kirche im Jahr 1803 enteignet worden war, übernahmen der Staat die Finanzierung der Kirchen. Nach einigen Jahren wurde dem Staat besonders die Besoldung der vielen Priester zu teuer und er führte die Kirchensteuer ein. Der Staat reduzierte so - zunächst gegen den Widerstand der katholischen Kirche - seine Ausgleichsverpflichtungen , die er nach der Säkularisation hatte.
Für die Finanzierung der Kirchen waren nun vorrangig deren Mitglieder zuständig, die fortan ohne jede staatliche Einflussnahme über die Verwendung ihrer Steuergelder frei entscheiden konnten.
Die Kirchensteuer, die heute von einigen als "Zwangssystem" gesehen wird, ist historisch gesehen das Ergebnis eines langen Trennungsprozesses von Staat und Kirche. Die Kirchensteuer ist so ein wichtiges Stück kirchlicher Unabhängigkeit.
Ist die Kirchensteuer gerecht?
Basis für die Berechnung der Kirchensteuer ist in Deutschland die staatliche Lohn- und Einkommenssteuer. Die Kirchensteuer wird als Zuschlag zur staatlichen Lohn- und Einkommenssteuer erhoben; im Bistum Mainz beträgt der Kirchensteuersatz 9 %. Durch diese Ankoppelung an das Einkommen ist die Kirchensteuer ein gerechtes System, das die finanziellen Möglichkeiten eines einzelnen berücksichtigt.
Wer wenig oder gar keine staatlichen Steuern zahlt, muss auch keine Kirchensteuer zahlen. Auf die Stellung in der Kirche hat die Zahlung der Steuer keinen Einfluss.
Gibt es Alternativen zur Kirchensteuer?
Nichts ist so gut, dass es nicht noch verbessert werden könnte. Das gilt auch für Kirchensteuersysteme. Aber auch alternative Kirchensteuermodelle haben ihre Schwächen:
Finanzierung durch Spenden
Die Kirche in den Vereinigten Staaten von Amerika beispielsweise finanziert sich ausschließlich über Spenden. Das hat zur Folge, dass das Eintreiben von Spenden in vielen Predigten und Aktionen der Gemeinden eine sehr wichtige Rolle spielt. Oft haben großzügige Spender auch einen größeren Einfluss auf Entscheidungen als Kirchenmitglieder, die weniger geben (können).
Finanzierung durch den Staat
Die Finanzierung durch den Staat bietet eine gewisse Sicherheit in Zeiten, in denen das Verhältnis zwischen Kirche und Staat gut ist. Allerdings wächst die Gefahr der Abhängigkeit, d.h. der Staat nimmt zunehmend Einfluss auf kircheninterne Entscheidungen.
Finanzierung durch eine allgemeine Steuer
In Italien besteht das System einer allgemeinen Sozial- und Kultursteuer. Das bedeutet, dass jeder Steuerzahler jedes Jahr entscheiden kann, ob er dem Staat oder der Kirche seinen Beitrag zur Kultur- und Sozialarbeit leistet. Dabei entsteht eine große Planungsunsicherheit und eine große Abhängigkeit von der öffentlichen Meinung.
Was sind die Vorteile der Kirchensteuer?
- Das deutsche Kirchensteuersystem ist gerecht . - Die Anbindung an das deutsche Einkommenssteuerrecht sorgt dafür, dass jeder nur soviel bezahlt, wie es seinen finanziellen Möglichkeiten entspricht.
- Die Kirche bewahrt ihre Unabhängigkeit . - Es gibt keine Geldgeber, die Einfluss auf kirchliche Entscheidungen nehmen möchten.
- Die Anbindung an das staatliche Steuersystem gewährt eine gewisse Planungssicherheit . - Im Vergleich zu der Unsicherheit von Spenden bietet dieses System eine höhere Berechenbarkeit.
- Die Kirche spart Kosten , indem sie auf vertraglicher Grundlage den Staat die Kirchensteuer einziehen lässt. - Der Betrag, den sie dafür als Gebühr zahlen muss, ist viel geringer als die Kosten, die für ein eigenes Einzugssystem entstehen würden.
Die alternativen Systeme der Kirchenfinanzierung sind nicht überzeugender.
Die Kirche tut immer so sozial, gibt sie nicht in Wirklichkeit für soziale Aufgaben kaum etwas aus?
Rund ein Fünftel der Kirchensteuern fließt in soziale Einrichtungen vom Kindergarten bis zum Krankenhaus.
Wer von der Kirche nur soziale Dienstleistung erwartet, übersieht, was sie als Ganzes ist und sein will. Kirche hat einen dreifachen Auftrag: Seelsorge, Gottesdienst und Caritas . Diese Bereiche gehören zusammen und bedingen einander. Seelsorge und soziales Engagement lassen sich nicht gegeneinander ausspielen.
Warum lässt sich die Kirche ihre Sozialarbeit noch vom Staat bezahlen?
Der Staat überlässt möglichst viele seiner sozialen Aufgaben freien Trägern (das sogenannte Subsidiaritätsprinzip). Caritas und Diakonie werden nicht anders behandelt als andere Träger der freien Wohlfahrtspflege - z.B. Arbeiterwohlfahrt oder Deutsches Rotes Kreuz. Sie alle bieten soziale Dienste an, die allen Bürgern offen stehen und daher auch von den allgemeinen Steuern mitfinanziert. In der Regel reichen die staatlichen Zuschüsse aber nicht aus, so dass solche Einrichtungen zusätzliche auch aus Kirchensteuermitteln und Spenden finanziert werden müssen.
Warum geht die Kirchensteuer nicht direkt an die Gemeinden?
Das wäre vielleicht durchschaubarer, aber nicht unbedingt gerecht . Ein solches System hätte zur Folge, dass eine Kirchengemeinde in der viele Reiche wohnen, viel mehr Geld zur Verfügung hätte, als eine Gemeinde in der viele Arbeitslose wohnen. Es könnte passieren, dass sich so eine Gemeinde nicht einmal einen Seelsorger leisten könnte.
Die zentrale Verwaltung der Kirchensteuer und ihre Verteilung nach gleichen Schlüsseln garantiert jeder Gemeinde eine angemessene Grundausstattung , unabhängig vom Kirchensteueraufkommen in ihrem Bereich.
Die Kirche hat doch ein riesiges Vermögen, könnte sie nicht leicht auf die Kirchensteuer verzichten?
Die Kirchensteuer ist eine unverzichtbare Einnahmequelle der Kirchen.
Über einen großen Teil ihres Vermögens kann die Kirche nämlich nicht verfügen. Grundstücke sind oft mit Kirchen und Gemeindehäusern bebaut. Sie sind zwar unter Umständen viel wert, aber finanziell nicht verwertbar. Im Gegenteil: Die Instandhaltung der z.T. denkmalgeschützten Gebäude kostet Geld.
Die Rücklagen der Bistümer dienen der Ruhestandsversorgung der MitarbeiterInnnen, der Finanzierung von Neu- und Umbauten sowie Sanierungskosten. Darüber hinaus muss mit diesen Rücklagen der Haushalt ausgeglichen werden, wenn das Kirchensteueraufkommen nicht ausreicht.
Warum werden aus der Kirchensteuer eigentlich der Vatikan und der Papst finanziert?
Weil die katholische Kirche sich ausdrücklich als Weltkirche versteht und der Vatikan wichtige übergeordnete Aufgaben wahrnimmt. Über den Verband der Diözesen Deutschlands tragen alle deutschen Bistümer pro Jahr einen Anteil für die Aufgaben der Weltkirche bei.
Warum verdient die Kirche auch an Arbeitslosen?
Die Kirche bekommt kein Geld von Arbeitslosen .
Da Arbeitslose und Sozialhilfeempfänger keine staatlichen Steuern zahlen, zahlen sie auch keine Kirchensteuer. - Das Missverständnis entsteht dadurch, dass bei der Berechnung des Arbeitslosengeldes alle "normalen Belastungen" berücksichtigt werden, auch die Kirchensteuer.
Das ist eine staatliche Vorschrift, an der die Kirchen nichts ändern können, von der sie aber auch nichts haben. Es handelt sich lediglich um ein Berechnungsmodell.
Wenn Sie spezielle Fragen zur Kirchensteuer haben, können Sie sich auch an die Stabsstelle Kirchensteuerangelegenheiten im Finanzderernat wenden (Link).